Textauszug des Monats: Musik?
Trommeln und Pfeifen sind völlig unzutreffende Begriffe, um zu beschreiben, was während des Morgestraichs erklingt. Wer schon einmal frühmorgens in einem totenstillen Wald plötzlich den Beginn des Vogelkonzerts gehört hat, kennt das Gefühl: im Vergleich zu der Ruhe im Vorfeld ist das Konzert der Vögel ohrenbetäubend. Etwas Ähnliches erlebt man beim Morgestraich, aber dann hoch zehn: rhythmisch und melodisch ebenso unergründlich wie ein Finkenschlag – und total laut.
Das Besondere an dieser Musik ist, dass sie klingt, als würde jemand in Trance seine Gefühle durch willkürliche Schläge auf eine Trommel äußern, während sein Freund ihn wild auf der Piccoloflöte begleitet. Man kann sich fast nicht vorstellen, dass diese wirren Schläge, Wirbel und Akkorde von Dutzenden von Leuten zugleich und in genau demselben Augenblick erzeugt werden. Die Drummler haben alle in jungen Jahren damit angefangen und drei Jahre lang zweimal pro Woche eine Ausbildung absolviert, bevor sie während der Fasnacht trommeln dürfen. Die Pfyffer haben es etwas leichter: auch für Erwachsene sind die Melodien innerhalb von ein bis zwei Jahren zu erlernen.
Aus Die Art den Winter zu vertreiben von Liesbeth Jongkind, über die Basler Fasnacht.